Portrait: Manuela Vollmann

25 Jahre ABZ* AUSTRIA. Was in einem kleinen Büro mit Standcomputer, Telefon und Telefonbuch begann, hat sich zu einer Institution entwickelt, die vom österreichischen Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken ist. Das Ziel: die Gleichstellung der Frau am Arbeitsmarkt.

Waren es zu Beginn nur fünf Personen, zählt ABZ* AUSTRIA heute 160 Mitarbeiterinnen. Begonnen hat aber alles mit einer Frau, Geschäftsführerin Manuela Vollmann, die über die Anfänge und ihr Erfolgsrezept erzählt. Sie verrät zudem, wieso sie auch nach 25 Jahren noch lange nicht am Ziel ist. Kaffeekränzchen oder doch feministischer Verein? So ganz konnte man ABZ* AUSTRIA am Anfang noch nicht einordnen, erzählt Manuela Vollmann lachend. Heute fragt das niemand mehr, denn seit 25 Jahren setzt sie sich mit ihrem Team erfolgreich für die Gleichstellung der Frau am Arbeitsmarkt ein. Doch was ist das Geheimnis des Erfolgs von ABZ* AUSTRIA? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Top-Job-Sharing.

Zukunftsmodell Top-Job-Sharing

Das bedeutet, dass sich Manuela Vollmann und Daniela Schallert die Geschäftsführung teilen und alle Entscheidungen gemeinsam treffen. „Wir wären nicht so erfolgreich als ABZ* AUSTRIA, wenn wir diese geteilte Geschäftsführung nicht gehabt hätten. Es bringt uns durch schwierige Zeiten, wenn man auf Augenhöhe gemeinsam entscheiden muss. Zwei Hirne, vier Augen, vier Ohren – das macht Entscheidungen nachhaltiger und besser“, klärt sie weiter auf. Sie ist sogar überzeugt, dass 50 Prozent des Erfolges dem Top-JobSharing zu verdanken sind. Das Teilen der Verantwortung ermöglicht den beiden Geschäftsführerinnen zudem sowohl strategisch als auch operativ tätig zu sein. Ein Fakt, der Manuela Vollmann besonders am Herzen liegt. „Das ist ein wichtiger Punkt, warum mich dieser Job so fesselt und ich die Geschäftsführung so gerne mache. Management, Lobbying, Networking – dafür bin ich zuständig, das kann ich gut und das mache ich gerne, aber ich könnte es nicht so gut, wenn ich nicht die Möglichkeit hätte, mich immer wieder tiefer in Projekte hineinzulassen. Da komme ich dann ins Operative. Ich will ja auch nicht über etwas reden, wovon ich keine Ahnung habe.“ Mitreden zu können, sachorientiert nachzufragen und der enge Austausch mit den Mitarbeiterinnen stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Sofern es irgendwie geht, arbeitet eine der beiden Geschäftsführerinnen immer direkt an einem Projekt mit – und zwar nicht als Leiterin, sondern als Stütze, so lange bis die Dynamik ins Rollen gekommen ist. Das findet Manuela Vollmann nicht nur spannend und wichtig, sondern ist auch ihre Strategie, um immer auf dem Laufenden zu sein. Am Ende des Tages ist es diese Vorgangsweise, die zu nachhaltigeren und vielschichtigen Entscheidungen führt, ist sie sich sicher: „Davon bin ich zutiefst überzeugt! Wir sehen ja, wohin oberflächliche Entscheidungen von einsamen Managern führen: Am Ende haben wir eine Wirtschaftskrise nach der anderen.“ Die gesamtwirtschaftliche Lösung für die Zukunft ist für sie daher eindeutig: Top-Job-Sharing.

„IM GRUNDE MEINES HERZENS WAR ICH IMMER FEMINISTIN UND GERECHTIGKEITSFANATIKERIN.“

 

Bodenständigkeit wie Begeisterung schwingen zu gleichen Teilen in Manuela Vollmanns Worten mit. Deswegen klingt es nicht nach leeren Floskeln, wenn sie versichert, dass bei ABZ* AUSTRIA nichts umgesetzt wird, nur weil es gerade Trend oder rentabel ist. Die Ideen für neue Projekte kommen zudem oft aus den Beratungen und Trainings mit den Frauen selbst. Taucht ein Problem auf, versucht man es so schnell wie möglich zu lösen. Auch aus diesem Grund wird der unmittelbare Austausch im ganzen Unternehmen groß geschrieben. „Deswegen müssen sich auch Strukturen immer neu entwickeln. Wir wollen nicht nur über etwas reden, sondern es auch konkret umsetzen. Das merken nicht nur die Auftraggeber, sondern auch die Frauen, mit denen wir arbeiten“, ist Manuela Vollmann überzeugt. Der Überbau für das tägliche Schaffen bei ABZ* AUSTRIA sind die Kompetenzfelder: „Gender Mainstreaming und Diversity Management“, „Vereinbarkeit von Beruf. Familie.Privatleben“, „Arbeit.Migration.Mobilität.“, „Arbeit.Jugend.Ater.“ und „Lebenslanges Lernen.“ Dieser ganzheitliche Ansatz ist für Manuela Vollmann und ihr Team entscheidend. Denn das Angebot ist genauso vielfältig wie das Team selbst. Eine Grundregel bei ABZ* AUSTRIA ist, dass Unternehmen, mit denen man kooperiert, von Anfang an mit an Bord geholt werden.

Schnittstelle zwischen Wiedereinsteigerinnen und Unternehmen

Das war auch schon beim ersten Projekt „Arbeiten & Lernen“ so – einem Projekt zum Wiedereinstieg in die Berufswelt. 18 Frauen wurden damals vom Verein angestellt und haben im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses gelernt, gearbeitet und in Form eines Praktikums die Möglichkeit gehabt, direkt in Unternehmen zu gehen. Mit Bezahlung, wie Manuela Vollmann zu betonen weiß. Damit war der Wiedereinstieg quasi in die Wege geleitet und nach Abschluss des Projekts waren die Teilnehmerinnen bereit, in den Arbeitsmarkt zu starten. „Wir waren die ersten, die in einem arbeitsmarktpolitischen Projekt direkt mit Betrieben zusammengearbeitet haben. Das war ein No-Go davor. Aber wenn es darum geht, dass Frauen einen Job bekommen sollen, um eigenes Geld verdienen zu können, muss ich mit Betrieben zusammenarbeiten – dort gibt es ja dann schlussendlich die Jobs. Diese Schnittstelle zu sein und die Win-win-Situation für beide Seiten, das hat uns immer sehr fit gemacht. So können uns die Betriebe nicht irgendwas erzählen – wir sind vor Ort und sehen selbst!“, erzählt sie lachend. Flache Hierarchien wurden laut Manuela Vollmann bei ABZ* AUSTRIA von Anfang an gelebt. Die gegenwärtige Dominanz des Themas und die öffentliche Diskussion bestätigen ihre Vorgehensweise auch rückwirkend. Die Grundhaltung und Struktur hat sich deswegen bei ABZ* AUSTRIA wenig verändert. Hier duzen sich alle. Nicht aus Marketinggründen, wie die Geschäftsführerin betont, sondern als Zeichen von Achtung und Respekt voreinander. „Das fühlt sich einfach gut für mich an“, fügt sie hinzu. Doch so euphorisch und engagiert Manuela Vollmann über ihre Arbeit spricht – es gibt auch Tage, an denen ihre Laune getrübt ist. Nämlich dann, wenn es um unnötige Diskussionen und ideologische Diskurse zum Thema Gleichstellung geht oder medial nur über die Stolpersteine des beruflichen Wiedereinstiegs berichtet wird.

Dann ist Manuela Vollmann auch einmal genervt. Aber auch hier versucht sie, das Positive zu sehen. „Das Genervtsein macht einem ja bewusst, dass etwas nicht passt – und dann muss man nach Lösungen suchen und nachhaken, damit es wieder anders wird. Das war auch immer meine Rolle: Schnittstelle zwischen dem konkreten Arbeiten mit Frauen, dem Entwickeln neuer Projekte, der Zusammenarbeit und Beratung und der Qualifizierung von Unternehmen zu sein. Wenn wir von Frauenförderung sprechen, sprechen wir auch von Wirtschaftsförderung. Je mehr wir mit Frauen arbeiten, umso mehr haben auch Wirtschaft und Gesellschaft davon. Dieses Zusammenspiel ist bei uns wesentlich: gemeinsam Lösungen finden, um weiterzukommen.“ Daran arbeiten Manuela Vollmann und ihr Team nun bereits seit über 25 Jahren. Urteilt man nach der Passion, mit der man die Geschäftsführerin über ihre tägliche Arbeit sprechen hört, könnte man jedoch meinen, sie mache dies erst seit kurzer Zeit. Sie scheint jeden Tag mit viel Herzblut, Durchsetzungskraft und Know-how zu füllen. „Das ist etwas, was ich gut kann. Ich bin sehr hartnäckig, das braucht es in einem Job wie meinem. Sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, das gehört dazu. Genauso wie Dranbleiben und sich nicht unterkriegen lassen. Mittlerweile ist mir auch egal, was die Leute beispielsweise bei Podiumsdiskussionen denken – ich will die Dinge einfach aussprechen! In einem gewissen Alter ist man da relativ relaxt.“ 

„ICH WILL ERLEBEN UND SEHEN, WIE DIE FRAUEN DIE CHANCEN, DIE WIR IHNEN BIETEN KÖNNEN, NUTZEN.“

 

Doch woher kommt die Energie, sich auch nach so vielen Jahren für die Gleichberechtigung der Frauen einzusetzen? „Letztendlich sind die Frauen selbst die Motivation, das alles zu tun. Das ist, warum ich jeden Tag die Energie habe. Ich will erleben und sehen, wie die Frauen die Chancen, die wir ihnen bieten können, nutzen. Das ist für mich der größte Ansporn. Im Grunde meines Herzens war ich immer Feministin und bin Gerechtigkeitsfanatikerin. Man muss einen Rahmen gestalten, damit die Menschen das machen können, was sie gut können und was sie wollen“, klärt Manuela Vollmann bestimmt auf. Eine Vision, die sie mit ihren Kolleginnen teilt. Und das Team ist noch lange nicht am Ziel, denn die To-doListe ist noch lang. „Mein Wunsch ist, dass wir beim Thema Gleichstellung und Frauenförderungen ein bisschen schneller vorankommen. Ich hätte gerne, dass die Gleichstellungspolitik eine schnellere und klarere wird in diesem Land. Je mehr Gleichstellung kommt, desto mehr sind wir bei ABZ* AUSTRIA gefragt. Dann braucht es nämlich konkrete Maßnahmen und da sind wir ja schließlich die Expertinnen“, schließt Manuela Vollmann mit einem Augenzwinkern ab.

 

Fotocredits: Jolly Schwarz 

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