Portrait: Eva Bertalan

„Hoffnungsvolle Weltverbesserin“ – so würde sich Eva Bertalan selbst bezeichnen. Die Welt verbessern, das tut sie seit mittlerweile 19 Jahren als Leiterin des Nachbarschaftszentrums in Hernals, wo sie das Programm gestaltet und die freiwilligen Helferinnen und Helfer koordiniert.

Den Job beim Wiener Hilfswerk Nachbarschaftszentrum hat Eva Bertalan durch Zufall entdeckt. Für ihre jetzige Stelle hat sie sich blind beworben, nachdem sie einige Jahre in der Marktforschung gearbeitet hat und unversehens den Drang verspürte, etwas Sinnvolles zu machen. In ihrer Position als Leiterin des Nachbarschaftszentrums 17 tut sie dies nun seit fast zwei Jahrzehnten, indem sie den Bewohnerinnen und Bewohnern in Hernals die Möglichkeit gibt, miteinander in Kontakt zu treten und ihre eigene sowie die Lebensqualität ihres Grätzls zu verbessern.

Experimentierfläche für die Nachbarschaft

„Was mir wirklich Freude macht, ist, Leute dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten, dass wir hier gemeinsam für alle etwas schaffen, wir die Ergebnisse sehen und ich im Leben von Menschen etwas verbessern darf.“ Das Nachbarschaftszentrum dient dabei als eine Art Experimentierfläche, bei der bedarfsorientiert gearbeitet wird und jeder, der eine Idee hat, die Chance bekommt, diese auch auszuprobieren und umzusetzen. Dabei ist das Konzept kein neues, denn Nachbarschaftszentren existieren bereits seit über 130 Jahren. Trotzdem weiß Eva Bertalan, dass der Bedarf heutzutage besonders groß ist. Durch die höhere Mobilität, die gerade in großen Städten wie Wien vorherrscht, braucht es Verortungen, wo man mit Nachbarinnen und Nachbarn Bekanntschaft schließen, sich austauschen und gegenseitig bereichern kann. Das Angebot im Nachbarschaftszentrum fokussiert sich auf Veranstaltungen, die Vernetzung innerhalb des Bezirks, Beratungen und die Arbeit mit Freiwilligen. Egal ob alt oder jung, Migrationshintergrund oder nicht, gläubig oder Atheist – die Aktivitäten, Workshops und Events im Nachbarschaftszentrum bringen Menschen zusammen, die sich sonst vermutlich nie getroffen hätten. Genau diese Diversität an Ressourcen macht die Arbeit im Nachbarschaftszentrum so vielfältig und abwechslungsreich.

Kleine Puzzleteile, die den Unterschied machen!

„Es gibt nichts, was du im Leben gelernt hast, das du in einem Nachbarschaftszentrum nicht brauchen kannst. Selbst mein Hobby Bauchtanzen habe ich hier schon eingesetzt und auch meine Metallverarbeitungs- und Kunststickerei-Skills konnte ich bei Workshops schon anwenden.“ Wenn es nach Eva geht, braucht Wien viel mehr als die zehn bestehenden Nachbarschaftszentren des Wiener Hilfswerkes. Denn das Empowerment, das hier stattfindet und das die Menschen dazu ermutigt, selbstständig und informiert zu sein, ihre Kompetenzen zu erweitern und für andere da zu sein, ist einzigartig. Eine Stadt profitiert also nachhaltig davon, in Nachbarschaftszentren zu investieren. Denn hier finden viele Bereiche Platz: Gesundheitsprävention, soziale Kohäsion und Bildung. Ein weiteres Thema, das gerade viel Beachtung findet, ist Demokratie. Dabei wird den Menschen im Nachbarschaftszentrum vermittelt, was es heißt, Teil einer Nachbarschaft, einer Stadt und eines Landes zu sein und ihre Stimme zu nutzen. Dies passiert in Workshops, in welchen über die aktuelle Thematik „Fake News“ aufgeklärt wird, genauso wie bei Vorträgen über die österreichische Rechtslage, die eine freiwillige Helferin regelmäßig hält. „Bei allem, was wir hier tun, handelt es sich um klitzekleine Puzzleteile, die hoffentlich weltweit dann einen Unterschied machen. Ich glaube nämlich wirklich, dass wir ein bisschen zur Verbesserung der Welt beitragen, und sei es nur, wenn Leute hier reinkommen und nachher mit einem Lächeln wieder hinausgehen. Dann haben wir diesen einen Moment für sie ein bisschen netter gemacht. Und ich glaube, dass wir mit diesen kleinen Schritten wirklich etwas erreichen können“, fasst die Powerfrau ihre Motivation zusammen.

Mehr Infos gibt es direkt bei den Nachbarschaftszentren.

Text: Nadine Pinezits

Bilder: Jolly Schwarz 

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