Portrait: Firefly Club

Christoph Sackl und Sebastian Gruber, die beiden Gründer des Firefly Clubs erzählen über die Ziele ihres Vereins und wie sie durch Musik zu einer Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema intellektuelle Beeinträchtigung beitragen wollen.

Musik kennt keine Ausgrenzung. Das beweisen Christoph Sackl und Sebastian Gruber. Die beiden Freunde haben vor fünf Jahren den Firefly Club ins Leben gerufen, einen Verein, in dem Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zu DJs ausgebildet werden. Nach der Ausbildung sind sie startklar, um die Wiener und niederösterreichische Musikszene unsicher zu machen. Die Mission der beiden Gründer ist klar: Inklusion durch Musik.

„In den fünf Jahren hat sich so viel getan. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass unsere Idee so boomt“, erzählt Sebastian Gruber, einer der beiden Gründer, der selbst als DJ tätig ist. Tatsächlich ist das Angebot des Firefly Clubs einzigartig in Europa. Denn keine andere Initiative stellt Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung als Musizierende in den Fokus. Der Beschluss, einen Verein ins Leben zu rufen, wurde dann – standesgemäß – selbst in einer Partynacht getroffen. Christoph hatte die Idee schon länger im Hinterkopf, und als auch Sebastian davon begeistert war, war alles klar: Das war die Geburtsstunde des Firefly Clubs. „In England habe ich inklusive Discos gesehen, da war immer eine coole Stimmung. Die Begeisterung und die Liebe zur Musik waren dort immer spürbar. Ich fand es eine coole Idee und ich habe in Österreich nichts Vergleichbares gefunden. Dann haben Sebastian und ich in Wien die ersten Partys organisiert. Wir wollten es einfach mal ausprobieren und schauen, was passiert“, erinnert sich Christoph Sackl an den Beginn des Clubs. Passiert ist seitdem viel. Zu den heimischen Auftritten kommen auch internationale Buchungen und auch immer mehr Medien klopfen an die Türe des Firefly Clubs. So haben die beiden auch schon einem ukrainischen Fernsehteam Rede und Antwort gestanden. Die Sprache der Musik ist schließlich universell.

„Wir wollen durch musikalische Leistung zeigen, dass Behinderung kein Hindernis ist.“

 

Christoph Sackl

40 DJs hat der Firefly Club bereits ausgebildet. 20 von ihnen sind beim Club geblieben und bespielen regelmäßig heimische Partys. Bewerben kann sich jeder mit intellektueller Beeinträchtigung, der Unterstützung einer karitativen Einrichtung bekommt, dessen Herz für Musik schlägt, der keine Scheu hat, vor Publikum aufzulegen und der selbst eine große Musiksammlung hat. Wenn man dann noch zuverlässig ist und einmal im Monat zum Workshop kommt, steht der DJ-Karriere praktisch nichts mehr im Wege. Insgesamt zehn Monate lang werden die Teilnehmenden dann zu DJs ausgebildet. Die Kurse selbst werden von ehemaligen Teilnehmern geleitet, die ihr Wissen weitergeben. Wegen des Erfolgs der Kurse in Wien hat der Firefly Club nun nach Niederösterreich expandiert. Die Hauptstädte seines Wirkens sind nun Wien und Tulln. Doch worin liegt die Macht der Musik? „Durch Musik fallen Barrieren, gerade dann, wenn wir außerhalb des Sozialbereichs bei Events in der Privatwirtschaft sind – da ist Behinderung nie ein Thema. Gerade auf Firmenfeiern sind oft auch Leute da, die noch nie mit Menschen mit Behinderung zu tun hatten, und dann wird gemeinsam getanzt. Wir wollen durch die musikalische Leistung zeigen, dass Behinderung kein Hindernis ist für eine gute Atmosphäre und einen guten Abend“, erzählt Christoph Sackl mit Stolz. Den DJs eine Plattform zu geben und zu zeigen, dass eine intellektuelle Beeinträchtigung kein Hindernis ist, um Tanzflächen zum Glühen zu bringen, ist eines der obersten Ziele von Christoph und Sebastian. Waren sie am Anfang besonders bei inklusiven Discos im Sozialbereich unterwegs, häufen sich nun die Auftritte in der Privatwirtschaft. Für die werden die DJs dann auch bezahlt. Ein Fakt, der den beiden Gründern sehr wichtig ist. Im Jahr 2018 wollen sie das Angebot ausbauen und somit noch mehr Arbeitsplätze schaffen. Die DJ-Buchungen über eine Vermittlungs- und Buchungsplattform sind zwar ihr klares Ziel, aber auch Menschen mit Behinderung sollen zu Trainern ausgebildet werden.

Von Schlager, Oldies und Hiphop

Was eine gute Party ausmacht, weiß Sebastian ganz genau. Neben den richtigen Liedern ist es vor allem die Location und der Anlass, der zur Stimmung beiträgt. Das bedeutet auch: Nicht jeder DJ und seine Sammlung sind für jede Party geeignet. Deswegen hat beim Firefly Club auch jeder der DJs seinen ganz speziellen Schwerpunkt: Schlager, Oldies, Hiphop, Pop, Charts, Techno oder House – der Firefly Club bietet alles an, was das Musikerherz begehrt.

Tanzen im Glühwürmchenlicht

Fireflies, das sind zu Deutsch Glühwürmchen. Der Name kommt nicht von ungefähr. „Hinter dem Namen steckt ein bisschen eine Licht-insDunkel-Philosophie. Wir wollen unsere DJs in die Öffentlichkeit bringen, vor allem am Abend, wo ja viele Menschen mit Behinderung aufgrund von Barrieren ausgeschlossen sind. Diese Menschen sollen dann leuchten, je mehr zusammenkommen, desto größer wird das Licht. So wollen wir ein Umdenken über Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft bewirken“, erklärt Christoph Sackl den Hintergrund des Namens. „Und dann leuchtet ein ganzes Land. Dort eine Stadt und dort eine Stadt, bis alles ein bisschen bunter wird“, ergänzt Sebastian grinsend. Doch bis ganz Österreich im Glühwürmchen-Licht erstrahlt, ist es noch ein weiter Weg. Die beiden Musikbegeisterten wissen: Es gibt noch viel zu tun. „Es sollten ja alle Dienstleistungen, alle Unternehmen barrierefrei sein, das ist aber noch lange nicht der Fall. Es sind immer noch viele Menschen ausgeschlossen – sei es der Zugang zu Gebäuden oder die Verständlichkeit von Informationen.

Sebastian Gruber

Der Weg zu einer barrierefreien Gesellschaft

Menschen mit Behinderung haben Schwierigkeiten, Arbeitsplätze zu bekommen oder generell in Firmen reinzukommen, weil noch Vorurteile bestehen, dass sie weniger können. Wenn wir Ängste nehmen, dann wird es auch einfacher für die Zielgruppe und es werden bessere Arbeitsbedingungen geschaffen. Gerade wenn wir zu Unternehmen gehen und dort Ängste nehmen, trägt es auch zu einer barrierefreien Gesellschaft bei. Wir wollen unsere Partys ja nicht nur für Menschen mit Behinderung machen, sondern auch Menschen ohne Behinderung auf unsere Partys holen. Es ist aber total schwierig, eine coole Location mit Barrierefreiheit zu finden“, klärt Christoph Sackl über die gesamtgesellschaftlichen, aber auch spezifischen Herausforderungen auf.

Blick in die Zukunft

Zu tun haben Sebastian Gruber und Christoph Sackl also noch genug. Ihr nächster Schritt ist es nun, ihre Angebote zu professionalisieren, die Plattform anzupassen und den Verein nachhaltig zu finanzieren. Eine interaktive Vermittlungsplattform ist das Ziel der beiden Gründer. Neben dem musikalischen Fokus sollen zudem auch Sensibilisierungskurse für Unternehmen angeboten werden. „Eines unserer Ziele ist es, Firmenkurse und Gruppentrainings anzubieten, wo Menschen mit Beeinträchtigung Sensibilisierungskurse geben und aus ihrer Sicht über Diskriminierung, Barrierefreiheit und Kommunikation sprechen.“ Die Musik kann hier ein Weg sein, um Vorurteile „wegzutanzen“ und erste Berührungsängste zu nehmen. „Es sind die Erfolge und das Feedback, die uns motivieren. Wir haben immer gesagt, solange wir uns nicht in eine Sackgasse begeben und das Feedback da ist, machen wir auch weiter. Das sehe ich auch heute noch immer so,“ fasst Christoph Sackl die Zukunftspläne des Clubs zusammen.

Mehr Informationen zum Fireflyclub findet ihr auf der Website oder auf Facebook!

Fotocredits: Jolly Schwarz 

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