Portrait: Elke Pichler

„Und lasst euch nichts gefallen!“ Wenn man vom Kellner mit diesen Worten verabschiedet wird, weiß man, dass man in einem alteingesessenen Wiener Café sitzt. So war es auch, als wir Elke Pichler, Mitgründerin der Spendenplattform Impactory getroffen haben. Bei herrlichem Wetter haben wir es uns im Café Korb im ersten Wiener Bezirk gemütlich gemacht, während Fiaker an uns vorbeigezogen sind und Touristen sich mit Kamera bewaffnet ihren Weg durch die Gassen gebahnt haben. Doch wir wollen nicht (nur) den Wiener Charme einsaugen, wir wollen vor allem mit Elke über die Anfänge und die Zukunft von Impactory sprechen. Genau das haben wir auch getan. 

„Für mich war es selbstverständlich, weil es sich in dem Moment richtig angefühlt hat.“

Die Sonne lacht und so auch Elke Pichler, als sie von ihrem Unternehmen Impactory spricht, das sie gemeinsam mit Emanuel Riccabona ins Leben gerufen hat. Impactory hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Spenden ins digitale Zeitalter zu holen. Das Image zu entstauben und Spenden so nutzerfreundlich wie möglich zu machen, ist ihr Ziel. Über 100 Organisationen im Sozialbereich sehen das auch so und haben sich mit ihren Spendenzwecken bereits registriert. Angefangen hat alles vor über einem Jahr. „Wir haben Impactory zu zweit gegründet. Emanuel und ich waren beide schon in gemeinnützigen Vereinen tätig. Dort haben wir gesehen, wie schwierig und teuer manchmal Fundraising ist und dass es wenig digitale Möglichkeiten gibt, die in vielen anderen Bereichen des Lebens einfach schon vorhanden sind“, klärt die Gründerin auf. Die beiden haben eine Nachfrage erkannt, die sie bedienen wollten. Bis es jedoch soweit war, waren beide in der Privatwirtschaft tätig. Als Emanuel dann aus Tirol – wo er ursprünglich herkommt – nach Wien gekommen ist, hat er nach Mitstreiterinnen und Mitstreitern für seine Idee gesucht. Und sie in Elke gefunden. Die beiden kannten sich zum damaligen Zeitpunkt seit fast zehn Jahren, durch ihr Engagement in einer gemeinnützigen Organisation im Bildungsbereich. „Ich habe sein Facebook-Posting zufällig gesehen, wir haben uns getroffen und ich war angetan von der Idee. Wie so oft geht es darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Für mich hat das damals gepasst.“ Für Emanuel auch und so hat das Duo im vergangenen Jahr die soziale Szene in Wien und ganz Österreich ziemlich aufgemischt.

„So viel wie nötig und so wenig wie möglich“

„Wir haben versucht, die Mission Fundraising günstiger und einfacher zu machen und ins digitale Zeitalter zu bringen, um auch junge Leute abzuholen. Spenden sind ein Thema, das eher die ältere Zielgruppe anspricht, aber aufgrund der Demographie wächst die junge Zielgruppe mit. Wir wollten Unternehmen unterstützen, das Engagement umfassender zu gestalten, dass am Ende mehr dort bei den Projekten, die Unterstützung brauchen, ankommt und so viel Wichtiges in der Gesellschaft übernehmen. Ich finde es schön, diesem Bereich und diesen Menschen noch mehr Bühne und mehr Möglichkeiten zu geben“, klärt die junge Unternehmerin über die Mission von Impactory auf. Aber bis es einmal so weit war, musste viel Vorarbeit geleistet werden. Diese Aufgabe ist das Team ganz pragmatisch und vor allem mit viel Offenheit angegangen. Denn gemeinsam haben sie die Ärmel hochgekrempelt, viel ausprobiert, analysiert und Gespräche mit so vielen Menschen wie möglich geführt. Was für viele überraschend klingt, war für Elke klar, sobald wie möglich Menschen befragen und ihre Meinung einholen. Denn am Ende sollte es ja eine Plattform sein, die ihre Zielgruppe erreicht und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist, sieht Elke diesen Prozess fast schon nüchtern. Erfrischend irgendwie, wie wir finden. Danach kam die Phase der Umsetzung und Programmierung.

Stärken aufteilen, Perspektiven einholen und 100% Hingabe

Ein Erfolgsindikator der beiden Gründer: Sie haben beide beschlossen, sich voll und ganz dem Projekt zu widmen und keinen zweiten Job nebenbei zu machen. Für beide war klar: ganz oder gar nicht. Dieser Wille und Einsatz wurden belohnt. Hört man der Powerfrau, die einem gegenüber sitz, zu, überrascht der Erfolg der beiden aber nicht. Zu pragmatisch, fokussiert und durchdacht scheinen die beiden ihre Mission umgesetzt zu haben. „Es ist ganz wichtig, dass sich die Leute gut verstehen, die sowas gründen. Es ist super, sehr viele Perspektiven zu haben, einander zu unterstützen und die Arbeit nach den jeweiligen Stärken aufzuteilen.“ Geholfen bei der Umsetzung ihrer Ziele haben ihnen auch verschiedene Förderprogramme und ihr ständiges Streben nach Austausch und Vernetzung. Bei jedem Gespräch nimmt man etwas mit und hat eine neue Perspektive bekommen, strahlt Elke, wenn sie sich an die Anfänge zurückerinnert. Klingt einleuchtend, aber auch fordernd. Was ist also das Geheimnis? „Offen sein für die Menschen, die einem gegenübersitzen, offen sein und zuhören, das war für uns ganz wichtig. Ich höre oft, dass es unglaublich mutig ist, was wir gemacht haben und dass viele sich das nicht trauen würden. Ich seh‘ das nicht so, weil was ist denn das Schlimmste, was passieren könnte?“, sagt die Gründerin entspannt. Man merkt, hier sitzt eine Frau mit Visionen, die weiß, was sie will, und einen Plan hat, um diese Ziele auch zu erreichen. Fast schon Zen-artig und unglaublich reflektiert sinniert sie über die Anfänge. Dass sie diesen Schritt nicht mutig fand, bedeutet jedoch noch lange nicht, dass sie ihren Erfolg klein reden will, denn eines weiß sie genau: Es braucht Hingabe, Commitment und sehr viel Leidenschaft, um aus einer Idee ein funktionierendes Unternehmen zu machen. „Natürlich ist es das Letzte vorm Einschlafen und das Erste nach dem Aufwachen, an das man denkt. Weil man will, dass etwas Cooles daraus wird und dass man niemanden enttäuscht, der daran glaubt. Da musste ich lernen, mich da ein bisschen abzugrenzen“, klärt Elke auf. Dabei ging es um ganz banale Dinge, wie z.B. am Abend keine Mails mehr lesen, das hat ihr die Ruhe gegeben, die sie braucht, um runterzukommen und Energie für den nächsten Tag zu haben.

Der Sozialbereich im digitalen Zeitalter

Bei der Entwicklung der Plattform war vor allem die Anwendbarkeit für jede und jeden wichtig. Deswegen wurden auch die sozialen Institutionen so früh wie möglich ins Boot geholt. Von den über 100 Institutionen haben sie zu Beginn die meisten proaktiv angesprochen. Rund ein Drittel hat seinen Weg aber schon selbst auf die Plattform gefunden. Doch warum sagt man dem Sozialbereich so oft nach, dass er noch nicht im digitalen Zeitalter gelandet ist? „Ich glaub, einerseits liegt es daran, dass im Sozialbereich der Mensch immer absolut im Mittelpunkt steht. Da gibt es einen Widerspruch. Das Digitale ist so weit weg von Menschen, das ist so technisch und kühl. Ich finde, es ist eine unendlich große Chance und Möglichkeit, die viele noch ungenutzt lassen, dabei kann die digitale Welt so eine gute Unterstützung sein“, weiß Elke aus Erfahrung. Nachdem die Vorarbeit geleistet und die Umsetzung im vollen Gange war, hat nur noch eines gefehlt: ein Name. Auch hier zeigt sich der offene Zugang des Teams. Denn sie haben die Türen geöffnet und sich in einem längeren Prozess schließlich für Impactory entschieden. Gemeinsam mit einem Team aus Philosophen und Philosophinnen, Herausgebern und Herausgeberinnen von Zeitungen, Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen haben sie sich einen Nachmittag lang eingesperrt und sind mit einer Shortlist an Namen wieder herausgekommen. Um die Namen zu testen, haben sie diese gleich einer harten Probe unterzogen. Am Schwedenplatz in der Innenstadt – gleich ums Eck von ihrem Büro – haben sie 100 Passanten und Passantinnen um ihre Meinung gebeten. Das Ergebnis ist schon lange kein Geheimnis mehr: „Es war schon eine mentale Challenge für uns, weil es ja unser Baby ist. Wenn du ein Kind bekommst, fragst du ja auch nicht alle Freundinnen und Freunde“, erzählt Elke lachend und führt weiter aus: „Wir wollen, dass die Leute sich mit dem Namen identifizieren, ihn aussprechen können und verstehen – deswegen war der Prozess sinnvoll.“ Wie so vieles in diesem Gespräch klingt auch diese Herangehensweise plausibel und logisch.

Blick nach vorn – die Zukunft von Impactory

Die Plattform ist draußen, das Feedback ist positiv, die Spenden fließen – doch was steht in Zukunft an? Neue Features werden erarbeitet, das Team weiter ausgebaut, Vernetzungen und Austausch weiter vorangetrieben und der Fokus soll in Zukunft stark auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen gerichtet werden. Hier will die Plattform als Vermittler zwischen privaten und sozialen Unternehmen agieren, um so nachhaltige und sinnvolle Kooperationen ins Leben zu rufen.

Wer mehr über Impactory wissen möchte, der sollte gleich direkt auf der Website vorbeischauen! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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